
Herkunft und Weiterentwicklung
Das Selbstkompass-Modell® basiert in seinen Grundprinzipien auf dem bewährten Riemann-Thomann-Modell, das vier grundlegende Ausrichtungen menschlichen Erlebens beschreibt: Nähe, Distanz, Dauer und Wechsel. Diese Achsen ermöglichen ein differenziertes Verständnis von Persönlichkeitspräferenzen sowie inneren Haltungen.
Das Selbstkompass-Modell® greift diese Struktur auf und entwickelt sie gezielt weiter. Die Achse Dauer/Wechsel wird im Modell in die Begriffe Stabilität/Dynamik überführt, um die konstruktiven inneren Bewegungsrichtungen einer Person klarer abzubilden und deren Bedeutung für Verhalten, Prioritäten und Selbststeuerung stärker hervorzuheben.
Erweiterung um die Dimension des Stressverhaltens
Ein wesentlicher Entwicklungsschritt ist die Integration des Stressverhaltens. Neben dem Alltagsmodus wird auch erfasst, wie sich Verhalten unter Belastung, Zeitdruck oder innerer Anspannung verändert.
Damit bildet das Modell sowohl den Alltagsmodus als auch den Stressmodus einer Person ab und schafft ein dynamisches, situativ orientiertes Bild von Verhaltensmustern.
Die E.R.T.-Analyse® ist hierbei ein zentraler Bestandteil. Sie zeigt auf, wie individuelle Muster sich in Stresssituationen verschieben, verstärken oder verändern, und macht sichtbar, welche Faktoren die Selbststeuerung stabilisieren oder beeinträchtigen.
Mehrschichtigkeit und zusätzliche Parameter
Über diese Grundstruktur hinaus berücksichtigt das Selbstkompass-Modell® eine Vielzahl weiterer Parameter, die für das individuelle Erleben relevant sind – darunter Werte, Motivationsmuster, Orientierungstendenzen und situative Reaktionsweisen.
Diese Aspekte werden einzeln erfasst und anschließend systematisch miteinander verknüpft. Dadurch entsteht kein typisierendes, sondern ein vielschichtiges Analysebild, das zeigt, welche inneren Positionen eine Person einnehmen kann, wie Wechsel zwischen diesen Positionen entstehen und welche Auslöser diese Veränderungen beeinflussen.
Das Zusammenführen dieser Bausteine ermöglicht es, präzise zu erkennen, was im Inneren einer Person passiert, warum bestimmte Muster auftreten und an welchen Stellschrauben eine wirksame Veränderung ansetzen kann. Die Analyse erhält dadurch eine hohe Tiefenschärfe und bildet komplexe persönliche Dynamiken nachvollziehbar ab — weit über rein statische Modelle hinaus.
